Die Gauja bestimmt das Leben – zu Gast in Lettland

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Published on 24. Oktober 2017 by

Im Schloss Sigulda lebte einst ein junges Mädchen namens Maija, das in den Schlossgärtner verliebt war. Da sie sehr hübsch war, hatte sie viele Verehrer, die sie jedoch ständig abwies. Ein Abgewiesener, ein polnischer Offizier, vergab ihr das jedoch nicht. Er lockte das Mädchen in die Gutmannshöhle um sie gefügig zu machen. Als letzten Ausweg dachte sich das Mädchen eine fatale Geschichte aus. Sie sagte: „Ich trage einen Seidenschal mit Wunderkraft um den Hals. Kein Schwert kann diesen Schal durchdringen.“Der Offizier glaubte ihr nicht. Maija hingegen ermutigte den Mann. Er solle es doch ausprobieren. Der Offizier ließ sich nicht zweimal bitten und schlug zu. So endete das Leben der 19 -jährigen Turaida Rose. Ihr Grab steht heute auf dem Kirchberg von Turaida.

Diese ist nur eine der vielen Mythen und Legenden die sich Letten gerne in gemütlicher Runde erzählen.  Irgendwie hat man auf Schritt und Tritt das Gefühl, daß plötzlich ein Wichtel hinter einer Eiche hervorspringen könnte. Besonders mystisch präsentiert sich die Landschaft im Herbst und im Frühjahr. In 98 großen und kleine Schleifen windet sich die Gauja durch den Nationalpark. 95 Kilometer und 4 Jahreszeiten lang bestimmt sie den Rythmus der an ihren Ufern lebenden Menschen.

Elina, eine junge Lettin, erzählt mir von ihrem Bruder, der manchmal um 4 Uhr früh aufsteht, um Wildtiere im Nebel der aufgehenden Sonne zu fotografieren. Sie zeigt mir fantastische Aufnahmen. Elina selbst hat den Nationalpark zu ihrem gemacht. Sie liebt die langen Wanderungen zu den Sümpfen, Mooren und Seen. Im Naturschutzgebiet leben mehr als 900 Pflanzen und über 150 Vogelarten. Dazu gesellen sich 40 Fischarten und 48 Säugetier-Gattungen, darunter auch Bären. Fast die Hälfte des Parks besteht aus Wald. Neben der wunderbaren Natur lassen sich im Gauja Nationalpark  500 kulturhistorische bedeutende Denkmäler entdecken: Burgen, Schlösser, Kirchen sowie prächtige Herrenhäuser. Es schien als befände man sich mitten in einem „Rosamunde Pilcher Film“ irgendwo in Cornwall.

Meine Top 5

  1. Lettische Küche.  Überrascht bin ich von den lettischen Speisen: ob Fisch, Lamm, Hase  oder Pilzgerichte,  alles schmeckt hervorragend. Typisch für die lettische Küche ist auch die Lust am Säuerlichen. Meist wird  kräftig mit Sauerrahm abgeschmeckt. Zu vielen Speisen wird etwas süßliches, dunkles, aber sehr schmackhaftes Roggenbrot gereicht. Auf dem Tisch steht immer ein Krug Wasser mit Zitronenscheiben und/oder Kräutern darin. Letten trinken nie klares Wasser zum Essen, das soll der Verdauung schaden. Dann doch lieber Nummer 2…
  2. Vodka JA, Bier besser. Lettland ist ein Bierland und mächtig stolz auf seine lebendige Brautradition. Es gibt viele kleine  Brauereien die starkes und gutes Bier brauen. Eine davon ist die Privatbrauerei „Valmiermuiža“ bei Valmiera. Ihre Spezialität: Dunkles Kraftbier mit Karamelgeschmack!
  3. WLAN: Riga zählt die meisten gebührenfreien WLAN-Hotspots in Europa je Quadratkilometer und Einwohner und wurde daher 2014 zur gebührenfreien WLAN-Hauptstadt gewählt. Selbst in unserem Shuttlebus konnten wir kostenfrei um den Globus surfen – in der Stadt und in der Provinz gleichermassen schnell.
  4. Lettische Frauen. In Lettland kann man sich auf verschieden Weise verlieben. In die Natur, in die Kulinarik oder in die attraktiven Frauen. Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen wird eines klar: die lettischen Frauen sind hübsch, groß und haben oft eine Stupsnase. Keine Römer-Nase und keine Joseph-Haydn-Nase – eine Stupsnase. Ich mein gerade ich bin in Stockholm oder Helsinki gelandet und nicht in Riga. Beide Städte liegen ja auch nur 400-500 km entfernt. Der skandinavische Einschlag lässt sich nicht abstreiten. Trotz gelebter Trachten-Tradition zeigen sich die Damen sehr modebewusst. Kein Wunder also wenn man sich in Lettland verliebt!
  5. Der geheime Sowjet-Bunker. 9 Meter unterhalb eines Hotelkomplexes wurde für den Fall der Fälle vorgesorgt. Oben  Hotelbetten und Lobby im DDR-Style, unten Spionagezentrale der Weltklasse. Der Bunker wurde in den Achzigern gebaut und  sollte die staatliche Elite im Falle eines Atomkrieges schützen. Absolut sehenswert und beunruhigend zugleich. Einen Hebel drücken und die Anlage läuft wie geschmiert. Selbst das „Rote Telefon“ piepst noch. Wer ist am anderen Ende der Leitung…?

Übernachten, Feste, Kulturelle Highlights und vieles mehr…
erfährst Du auf www.entergauja.com/de

Anreise

Auto: 1418 Kilometer und 16 Stunden Fahrzeit durch Tschechien, Polen, Litauen.
Flugzeug: Mit der Airbaltic  in knappen 2 Stunden und 30 Minuten direkt von Wien nach Riga. Preis ab 180 Euro für  Hin- und zurück.

Wissenswertes

Währung: Euro (seit dem 1. Januar 2014 gehört Lettland zur Euro-Zone).
Vorwahl: +371
Zeit:  + 1 Stunde zu Wien (MEZ)
Sprache: Lettisch
Nationalfeiertag: 18. November
Einwohner: 2,2 Millionen
Klima: Juni, Juli, August 8 – 22 Grad; Winter 3 bis  -12 Grad
Verkehr: Licht am Tag ist vorgeschrieben, Promillegrenze 0,5;
Wird eine Geldstrafe nicht bereits vor Ort bezahlt, kann diese in Österreich zwangsweise eingefordert werden.
Es besteht Helmpflicht für Radfahrer bis 12 Jahren
Traditionen und Trachten werden in Lettland sehr gepflegt.

Eine Reise durch den Gauja Nationalpark können wir absolut empfehlen.

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1 comment

  • Levi 3 Wochen ago

    Soviel Grün auf einmal… Begeistert…

    Reply

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