Die Insel Tasmanien, etwa 250 Kilometer südlich des Festlandes, ist fast so groß wie Österreich und hat rund 470 000 Einwohner, davon 190 000 in der Hauptstadt Hobart.

Der kürzeste Weg vom Festland führt per Flugzeug von Melbourne nach Hobart, aber man kann auch eine Reise per Schiff auf den Spuren der jährlichen „Sidney to Hobart Yacht Race antreten. Vorbei an den „Zwölf Aposteln“ nahe Melbourne, an der Ostküste Tasmaniens entlang, in Sichtweite der ehemaligen Strafkolonie bis in den Hafen von Hobart. Von hier aus startete der legendäre Hollywoodstar Errol Flynn, der unweit der sich in einer sanften Dünung schaukelnden Yachten das Elternhaus hatte, seinen Weg zum Erfolg.

Von der Strafkolonie zu den Naturparks

Südöstlich von Hobart liegen auf der malerischen Tasmanian Peninsula die Reste und Ruinen der letzten Strafkolonie des Britischen Empires: Port Arthur. Über die grausame Geschichte des Ortes informiert eine abendliche Ghost Tour, die Touristen im ehemaligen Offiziersquartier des Cascade Colonial Cottage miterleben können. Die Schönheit der Halbinsel heutzutage täuscht eine Idylle vor, die für die englischen, irischen und schottischen Sträflinge – oft auch Kinder unter zehn Jahren – bis ins 20. Jahrhundert ein tödliches Umfeld darstellte.

Tasmanien ist der jüngste der sieben australischen Bundesstaaten, dessen Hauptstadt Hobart anfangs des 19. Jahrhunderts von Sträflingen erbaut wurde. Lagen in der malerischen Bucht am Derwent River früher nur Walfang- und Handelsschiffe, so sind es heute vor allem Segelyachten, Fischerboote, Ausflugs- und Fährschiffe. Hobart erinnert an englische Fischerdörfer mit hübschen Villen, häufig auch aus Holz. Die Steingebäude aus dem 19. Jahrhundert dienten und dienen meist öffentlichen Zwecken, wie Zoll, Gericht, Polizei u.s.w.

Der Mount Wellington bringt schwarze Wolken über die Stadt, die wir Richtung Hochland verlassen. Klimatisch wird Tasmanien von den „Roaring Forties“, den Westwinden beherrscht: Wenn auf dem Festland vor Waldbränden flüchten, vor Hitze fast umkommen, herrschen auf dem tasmanischen Eiland moderate Temperaturen, die den europäischen Reisenden sehr angenehm erscheinen. Feuchtigkeit und gleichmäßige Wärme sind es, die im Westen für grüne Wildnis und Regenwald sorgen.

Neben hölzernen Trampelpfaden für die Touristen beginnt eine Art „grüne Hölle“ mit meterhohen Farnen und undurchdringlichem Unterholz: Franklin-Gordon Wild Rivers National Park. Der Nelson Fall entlässt seine Besucher, durch einen ungeheuren Sprühregen in kürzester Zeit bis auf die Haut durchnässt, in eine Welt mit fast urzeitlichem Pflanzenwuchs.

Nach einer Tagestour im Tropenwald führt der Weg weiter Richtung Launceston am Tamar River, einer 1804 gegründeten „europäischen Stadt“. Vorher nehmen wir noch Quartier in Queenstown inmitten von Abraumhalden und einem völlig abgeholzten Gebiet von ehemaligen Kupferminen, das heute wie eine Mondlandschaft wirkt. Seit 1882 wurde hier Bergbau betrieben – bis ins 20. Jahrhundert baute man 670 000 Tonnen Kupfer, 510 000 Kilogramm Silber und 20 000 Kilogramm Gold ab. In der Direktionsvilla, einem viktorianischen Bau, der aus einem Gruselfilm a la „Psycho“ stammen könnte, (verwaltet vom National Trust, der die alten tasmanischen Bauten vor Fremdenverkehrszwecke nützt) verbringen wir die Nacht.

Das Programm für den nächsten Tag ist wiederum ein Nationalpark

Nördlich von Queenstown liegt der Cradle Mountain-Lake St. Clair National Park. Von hier aus werden herrliche Wanderungen in die Bergwelt Tasmaniens angeboten. Der höchste Berg der Insel, der Mount Ossa (1617 Meter) kann im Zuge der Wanderung bestiegen werden. Insgesamt werden achtzig Kilometer auf dem Overland Tracks für eine gründliche Erkundung der geographischen Mitte der Insel geboten. Der Nationalpark wurde seinerzeit vom 1874 geborenen Österreicher Gustav Weindorfer gegründet.

Von Launceston an die Küste

Von Launceston, wegen seiner schönen Parks und Gärten in der Literatur als „Stadt der Gärten“ bezeichnet – für die einheimischen Tassies aber ist sie die Stadt des Bieres, liegt hier doch die größte Brauerei Tasmaniens, die James Boag & Son Brewery – geht es schnurstracks ins Tamar Valley, dem wichtigsten Weinbaugebiet der Insel, wo neben vielen Weißweinen auch die aus Persien stammende „Shiraz-Traube“ kultiviert wurde. Nördlich von Launceston an der Bass Strait locken weiße Strände und türkisblaues Meer im Nationalpark Narawntapu. Auf dem Weg zum Strand findet man jede Menge der tasmanischen Fauna:

Wallabies (kleine Verwandte des australischen Kängurus), aber auch andere Beuteltiere wie Wombats in der Größe eines mittleren Hundes, Opossums, und wer „Glück“ hat, der sieht auch den Tasmanischen Teufel, den man aber lieber nur von weitem sehen sollte – sein Gebiss ist derart, dass er das Handgelenk eines erwachsenen Menschen in zwei Sekunden durchbeißen kann.

Ein anderes Raubtier der Insel, der „Tasmanische Tiger“ – wolfsartig mit gestreiftem Fell – wurde in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts ausgerottet, soll aber in unserer Zeit wiederum aufgetaucht sein – sagt man … Genauso verschwunden wie der Tasmanische Tiger sind die Ureinwohner, die Aborigines der Insel. Die heutzutage anzutreffenden Eingeborenen hat man in den letzten Jahrzehnten vom Festland hier wieder angesiedelt.

Im Norden Tasmaniens findet man die größten Lavendelfarmen der südlichen Hemisphäre. Auf der Bridgetowe Farm werden die wertvollen Duftessenzen heute noch mit Gerätschaften wie im 19. Jahrhundert hergestellt. Zeit spielt hier keine Rolle, nur die Qualität zählt. Mit für unseren Gaumen eher exotischen Mitbringseln wie Lavendeltee, -bonbons oder –schokolade machen wir uns auf den Weg nach Süden, von wo wir unsere nächste Station Australien anfliegen werden.

Zurück bleibt ein Eiland einer unberührten Natur und einer Tierwelt, das seinesgleichen auf der Welt sucht.



Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.