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Alle schwärmen von Marrakesch – einer tausendjährigen Stadt mitten in Marokko. Sie eignet sich perfekt für einen Wochenendtrip ab Wien.

Der Reisende, der das erste Mal in Marrakesch nach Sonnenuntergang über den “Djemaa el Fna” schlendert, dem wird erstmal Angst und Bange: Auf dem riesigen Marktplatz brodelt. Der Geräuschpegel erreicht die Dezibel einer Großdisko auf Ibiza. Pferdekutschen quetschen sich an Autos vorbei. Unzählige Mopeds schlängeln sich im Eiltempo zwischen Menschenmassen. Selbst als Fussgänger sollte der Tourist achtsam sein. Ein Einheimischer gibt den Chinesen die Schuld an der Hektik: “Seit die Chinesen die Billigroller hierher bringen, fahren die Händler statt mit dem Eselkarren lieber mit Mopeds kreuz und quer durch die Stadt. Das schadet neben dem Stadtbild auch der Umwelt.”

Wie ein Magnet zieht der “Djemaa el Fna” die Touristen an. Beim dritten Besuch kommt das Gefühl hoch ein Teil dieser orientalischen Welt zu sein. Der Platz, der umrandet ist von Restaurants und Kaffeehäusern, lässt das Märschen von 1001 Nacht abends wie tagsüber für Augenblicke wahr werden: Schlangenbeschwörer, Affendompteure, Zahnzieher, Henna-Tätowiererinnen. Fürs Fotografieren oder Filmen sollte man stets einige Münzen eingesteckt haben, denn jeder will hier Bakschisch – vom Gewürzhändler bis zum Kapuzineräffchen. Für ein Foto mit dem Affen geb’ ich 2 Euro.

“Heut hab ich schon 3 Zähne gezogen”, sagt Alibaba – selbsternannter Dentist -, während eine Schweizer Touristengruppe von Alibaba und seinen Prothesen Fotos knipsen möchte. Das gibt mal richtig Ärger. Ohne Geld kein Bild. Die Schweizer ziehen, ohne ein Foto zu machen, weiter.

Eine “Henna-Tätowiererin” erhascht beim Vorbeigehen meine Hand. Sekunden später hatte ich ein paar Streifen voll Henna Paste am Unterarm. “Nein, ich will kein Tattoo.” Für die paar Buchstaben will sie trotzdem ein paar Euros.

Hilfsbereit bringt ein etwa 50-Jähriger Mann eine Flasche Wasser und schreit “Gratis, Gratis, wash your hand, its free!” Also spüle ich das Henna Tatoo grad so weg. Den “Picker” werde ich dann für eine Stunde nicht mehr los. Er zieht mich durch die Souks von A-Z – von Pontius bis zu Pilatus.

Leicht verliert sich der Tourist hier, dem Bazar, der hinter dem großen Platz beginnt. Dort wo man von der “echten” Rolex bis zum “Bündel Pfefferminze” alles Mögliche und Unmögliche kaufen kann. Am Ende fehlt mir die Geduld ein Souvenir zu erstehen. Also drück ich dem aufdringlichen Begleiter einen Zehner in die Hand, um endlich Ruhe zu haben.

Zeit für einen Tasse Tee. Ich setzte mich in ein Kaffeehaus mit Terrasse und genieße von oben den Blick auf den Djemaa el Fna – natürlich bei einer Kanne Pfefferminztee – der ist übrigens ein Muss. Nicht nur wegen der Zeremonie drumherum, die in jedem noch so kleiner Wirtschaft zelebriert wird: Mit ausgestreckter Hand über Kopf wird der Tee in die Tasse gegossen. Neben dem Showeffekt hat das auch was Nützliches. Durch die Luft wird der Tee abgekühlt und kann sofort getrunken werden. Der Gast mag dem Kellner zuvor aber deuten nicht zuviel Zucker in die Kanne zu geben.

Ein Besichtigung des Al-Mansours, einen einst prächtigen Badi-Palast (Ksibat Nhass), der heute eine monumentale Ruine mit einem riesigen Pool und beeindruckenden Ausblicken auf die Stadt von seinen Stadtmauern aus ist, sollte ebenfalls auf dem Programm stehen. Von hier ist es nur ein Katzensprung zum wunderschönen Bahia-Palast (Avenue Imam El Ghazali), einem prächtig dekorierten Palast, der einst dem Sklavenwesir Abu Bou Ahmed gehörte. Etwas Zeit sollte sich der Tourist nehmen, da es verschiedene Räume zu erkunden gibt. Am eindrucksvollsten sind jene von Bou Ahmeds Lieblingskonkubine Lalla Zineb.

Nach Sonnenuntergang laden jede Menge guter Restaurants in der Medina zum Dinner. Die Erlebnisgastronomie in der Altstadt selbst, sowie auch etwas außerhalb, möchte ich als sensationell bezeichnen: vorzüglich gewürzte Speisen begleitet von Trommelklängen oder mitunter Bauchtänzerinnen die Kerzenständer auf dem Kopf balancieren. Einige Lokale bieten eine Mischung aus Restaurant und Club mit sehr guten Livebands. Eine Steigerung dessen schafft das “Selman”. Die fahren sogar mit einer Pferdeshow auf. Während ich ein Huhn mit Oliven in lockerer Atmosphäre esse, posiert ein Schimmel 10 Meter weiter auf seinen Hinterbeinen. Dazu klingt Musik wie am “Sa Trinxa Beach” auf Ibiza. Marrakesch steht der Baleareninsel um nichts nach, außer vielleicht, daß es nicht am Meer liegt.

Apropos Meer: Drei Autostunden von Marrakesch entfernt befindet sich der schmucke Ort Essaouira am Atlantik. Auf dem Weg dahin trifft man auf eine der beliebten Touristenattraktion in Marokko – Ziegen die im Baum wohnen. (Foto: Ivan Luka)


In Essaouira angekommen weht heftiger Wind. Das lieben Kitesurfer. Davon tummeln sich jede Menge am Strand. “Games of Thrones” Fans kennen die Stadt auch. Hier wurden nämlich Szenen der bekannten Serie gedreht. Interessant auch die Gassen, Läden und die Festung am Atlantik.

Steht man oben auf der Festung und sieht hinaus auf das tosende Meer, kann man sich gut vorstellen in einem Königreich zu sein. Während mir hunderte Möwen um die Ohren fliegen, denke ich darüber nach, was wohl “Jimi Hendrix” in den 70ern hier gemacht hat. Sich in den Gassen verlieren, eine Joint am Meer rauchen oder hat er sich vom Meeresrauschen und vom heftigen, immer wehenden Wind zu “Hey Joe” inspirieren lassen?

Wer nicht soweit fahren will, der kann sich in Andre Hellers Gartenoase – dem Anima Park – umschauen. Pflanzen und Skulpturen mitten in einer sonst eher kargen Landschaft mit dem Atlasgebirge als Kulisse.

Hotels und Restaurants in Marrakesch

Le Salama
Das spezielle bei diesem Speiselokal im 3. Stock ist, dass der komplette Plafond mit echten Grünpflanzen (nicht Plastik!) behangen ist. Ein äußerst stilvolles Ambiente machte unser Abendessen zu einem besonderen Erlebnis. Perfekter Service und köstliches Essen. Das Restaurant ist stylisch und tut auch einiges dafür auf Instagram weiter bekannt zu sein. Witzig die Bauchtanzshow während gegessen wird.
40 Rue de Banques, instagram.com/lesalamamarrakech/

Assyl im Hotel Selman
Wahrscheinlich eines der besten Häuser in Marrakesch. Große komfortable Zimmer. Riesiger Pool. Schöner SPA-Bereich. Das Frühstück lässt keine Wünsche offen. Es ist zugegeben nicht günstig, aber dafür ausgezeichnet. Die marokkanischen Musiker sind eine Nummer für sich. Nicht zu vergessen die extravagante Pferdeshow – stilgerecht für ein 5 Sterne Luxusresort.
Km 5, Route d’Amizmiz Marrakech, Fon +212 (0) 524 45 96 00
selman-marrakech.com

Angsana Si Said in der Altstadt mit Hotel
In einer Seitengasse, nahe des großen Marktplatzes, versteckt sich das kleine Hotel mit Restaurant, das mit marokkanischem Flair alles aufbietet was der Gast erwartet. Im Innenhof sitzt man unter Sternenhimmel. Eine Oase im Trubel der Altstadt.
Angsana Riad Si Said, +212 5243-89011
angsana.com/en/morocco/riads-collection-marrakech-morocco

Kenzi Menara Palace & Resort 5-Sterne-Hotel
Das luxuriöse Hotel empfängt Sie in einem 10 ha großen Park. Die Zimmer sind sauber und komfortabel mit Aussicht auf den Pool. Jeden Tag 2 kleine Flaschen stilles Mineral am Zimmer. 10 Fahrminuten vom Platz Djemaa el Fna entfernt.
Boulevard Mohamed VI, Telefon: +212 5244-59900
kenzi-menara-palace.hotels-marrakesh.com/de/

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